Die Veganerbibel: China Study

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China Study von T Colin CampbellDer bedeutende Ernährungswissenschaftler T. Colin Campbell hat gemeinsam mit seinem Sohn das Buch „China Study: Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise“ geschrieben, das über den medizinisch-wissenschaftlichen Verlag Systemische Medizin im Jahr 2011 auch auf Deutsch erschienen ist.

Colin Campell war Professor für Biochemie an der Cornell Universität, einer der acht renommiertesten Universitäten der Welt, und leitete zwischen den 1970er und den 1980er Jahren das China-Cornell-Oxford-Project, bei dem es sich nach Ansicht des Vater-Sohn-Duos um die umfassendste Studie zu Gesundheit, Essverhalten und den Bezug zu Krankheiten in der Historie der Biomedizin handelt.

Für dieses Projekt, das die Cornell und die Oxford University und die chinesische Akademie für Präventivmedizin unterstützte, wurden in den ländlichen Gebieten Chinas die Gesundheitsdaten von 6.500 Menschen aus 24 unterschiedlichen Teilen des Reichs der Mitte ausgewertet. Und diese Daten haben es in sich.

Wenn Campbell in seiner Einleitung also schreibt „ich beabsichtige nichts Geringeres als eine Neudefinition dessen, was wir als gesunde Ernährung betrachten“, muss er dafür gewichtige Gründe gehabt haben. Aufgrund von welchen Erkenntnissen wagt er diese Behauptung?

Zum genauen Inhalt der China Study

In den 70er-Jahren schrieb die chinesische Regierung detailliert auf, in welchem chinesischen Landkreis Menschen an zwölf unterschiedlichen Krebsarten starben. Dabei ergab sich, dass einige Krebsarten an bestimmten Orten gehäuft auftraten. Colin Campbell und die Wissenschaftler schlossen daraus, dass Krebs offensichtlich nicht genetisch bedingt ist, sondern andere Faktoren, wie Umwelt- und Ernährungsverhalten die entscheidende Rolle spielen. Schließlich gehören knapp 90 Prozent der Chinesen der gleichen Ethnie an.

Auffällig war besonders, dass auf dem Land die Zahlen der Krebstoten wesentlich niedriger waren als in den Städten. Im weiteren Verlauf der Studie wurde deutlich, dass die chinesische Bevölkerung auf dem Land ganz anders isst als die Stadteinwohner und, vor allem, als ihre Nachfahren der zweiten und dritten Generation, die in die USA ausgewandert sind. Vor allem aufgrund von Armut besteht nur 0,8 Prozent der täglichen Nahrung für die Landchinesen aus tierischem Eiweiß.

Interessanter Vergleich: In den USA sind es satte zehn Prozent. Darüber hinaus enthält der Speiseplan der Chinesen sehr viele unterschiedliche, pflanzliche Lebensmittel. Der Vergleich mit ihren Krankheiten ließ die Campbells, deren Studie bereits 2004 in den USA erschienen ist, klare Schlussfolgerungen ziehen: Je weniger tierische Nahrungsmittel die Chinesen zu sich nahmen, desto seltener erkrankten sie an Krebs.

Viele hunderte weitere, umfassende Studien zieht das Vater-Sohn-Gespann hinzu, um den Zusammenhang zwischen Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen, Übergewicht und dem Verzehr von tierischem Eiweiß zu verdeutlichen. Zudem finden sie Belege, dass auch Diabetes, Osteoporose und degenerative Gehirnerkrankungen im Zusammenhang mit dem Konsum von tierischen Proteinen im allgemeinen und von Kasein im besonderen stehen.

Nach Ansicht der beiden Autoren gibt es schlichtweg keine wichtigen Nährstoffe, die von Pflanzen nicht in besserer Qualität geliefert werden könnten. Für sie ist die vegane Ernährungsweise eine Allzweckwaffe, die viele der schlimmsten Zivilisationskrankheiten auf einen Schlag deutlich verringern könnte.

Darüber hinaus empfehlen sie, den Anteil von verarbeiteten Nahrungsmitteln und von raffinierten Kohlenhydraten wie Mehl oder Zucker deutlich zu reduzieren. Colin Campbell glaubt, das die Vollwert-Ernährung mit einer pflanzenbetonten Kost und mit ballaststoffreichen Lebensmitteln sogar präventiv vor genetisch disponierten Krankheiten schützen kann.

Der Wissenschaftler ist auch deshalb so überzeugend, weil er in seinen frühen Jahren selbst gerne Fleisch- und Milchprodukte gegessen hat, und erst später über seine Forschungen zum Vegetarier und dann zum Veganer wurde. Auch die Versorgung von Veganern mit Vitamin B12 diskutiert das Autorenduo ausführlich und rät am Ende dazu, immer mal wieder in die Supplementen-Schublade zu greifen.

Es gibt auch Kritik an Campbells China Study

Obwohl Campbell sich derart eindrücklich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat, ist er in der Forschung nicht unumstritten. Immer wieder finden sich Hinweise von Epidemiologen, dass Campbells Schlussfolgerungen auf Basis von Korrelationsstudien basieren und man daraus nur eingeschränkte Rückschlüsse ziehen kann.

Hinzu kommen einige Fehler in der Statistik und von Seiten der ethisch motivierten Veganer auch ein Unverständnis darüber, dass Campbell allein aus medizinischen Gründen die Vorteile der veganen Ernährungsweise lobt, nicht aber aus Mitleid mit den tierischen Mitgeschöpfen. In vielen Studien, die er verwendet, wurden darüber hinaus Tierversuche gemacht, um die Thesen zu untermauern.

Weitere Punkte werden in der Öffentlichkeit heiß diskutiert, die im Zusammenhang mit Ungereimtheiten des Werkes stehen. Nicht beantworten zum Beispiel können die beiden Forscher, warum die Menschen schon seit Jahrtausenden tierisches Eiweiß essen und warum es dennoch die Zivilisationskrankheiten erst heute gibt. Auch die Tatsache, dass einige Studien fischessende Vegetarier als die gesündesten Menschen der Erde bezeichnen, passt da nicht ins Bild.

Dennoch: Das trotz aller Wissenschaftlichkeit mit seinen 437 Seiten auch für Laien gut zu lesende Werk zeigt eine ganze Reihe von eindrücklichen Thesen auf und gilt zu Recht als Meilenstein in der veganen Welt. Unbestritten ist, dass Pflanzen in all ihrer Vielfalt unzählige Mineralstoffe und Vitamine enthalten und daher den Löwenanteil unseres Speiseplans bilden sollten.